Sendung vom 23-24 Januar 2014
Eigentlich sollte man meinen wir wären im 21 Jahrhundert angekommen, doch die Debatte in Baden Württemberg zeigt ein anderes Bild. Mit dem Entwurf eines Bildungsplans für 2015 begann der Streit zwischen Befürwortern und Gegnern. Der Entwurf sieht vor, dass zukünftig in den Schulen auch die Akzeptanz sexueller Vielfalt gelehrt werden soll um Schüler für alle sexuellen Identitäten zu sensibilisieren. Das Ziel sollen Schulen sein, die Toleranz und nicht Ausgrenzung vorleben.

SWR1Viele können diesen Bildungsplan nicht nachvollziehen, da einige die Angst haben das eine „moralische Umerziehung“ droht. Das man Homosexualität nicht „erziehen“ kann scheint jedoch nicht bei allen angekommen zu sein.

Jan konnte an der Bar erzählen, wie es ihm erging als er mitten im Outing die Schule besuchte. An einen Unterricht in dem das Thema zur Sprache kam kann er sich nicht erinnern auch sonst hatte er in der Schule niemanden mit dem er über seine Probleme sprechen konnte. Diese Erfahrung zeigt noch mehr wie wichtig die Aufklärung an Schulen ist.

Die Gäste im SWR Nachtcafe:

Andreas Stoch: Hat den Bildungsplan ins Leben gerufen: „Schulen sollen Orte der Toleranz und des Miteinanders sein, nicht Orte der Ausgrenzung.“

Gabriel Stängle: Hat die Online-Petition gegen den neuen Bildungsplan ins Leben gerufen. Er befürchtet, dass im Zuge der Reform eine Minderheit versucht, der Gesellschaft ihre „Ideologie“ aufzudrücken.

SWR2Stephan Schmidpeters: Sohn Michael verliebte sich mit 17 in einen Jungen aus seiner Clique, doch als er seine Liebe im Freundeskreis gestand, wurde der einst lebensbejahende Schüler ausgegrenzt und abgewiesen.

Hartmut Steeb: Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, sieht dadurch das traditionelle Bild von Familie und Ehe in Gefahr: „Ich empfinde andere sexuelle Orientierungen als die heterosexuelle als nicht schöpfungsgemäß“.

Ines Pohl: Ist Chefredakteurin der taz und verheiratet mit einer Frau. Sie hält die Petition von Gabriel Stängle für populistische Stimmungsmache und eine Bildungsreform für längst überfällig.

Stefan Kaufmann: Ist der einzige Bundestagsabgeordnete der CDU-Fraktion, der offen homosexuell lebt.

Traudl Fuchs: Weiß aus eigener Erfahrung, was in Eltern vorgeht, deren Kind schwul oder lesbisch ist: „Wir haben damals Rotz und Wasser geheult, als unsere Tochter davon erzählte“, so die 66-Jährig.

SWR3Jan Küpperbusch: Kann aus eigener Erfahrung über die alltägliche Diskriminierung von Schwulen berichten. Deshalb engagiert er sich im Rahmen eines von ihm gegründeten Vereins für mehr Aufklärung über Homosexualität in Schulen. Die geplante Bildungsreform in Baden-Württemberg begrüßt er, denn „ein so schlimmes Outing, wie ich es hatte, möchte ich anderen gern ersparen.“

Bent Vansbotter: Lebt mit seinem Partner Jörg seit vielen Jahren ein ganz normales Familienleben – mit Pflegekind. Der 7-jährige Junge wächst genauso auf wie andere Kinder auch und hat bislang noch keinerlei Ausgrenzung erfahren.