Jetzt fehlt nur noch eins: Das Outing

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Die Welt ist farbenfroh und jeden Tag kommen neue Farben hinzu. Viele Veränderungen werden mit Neugier und Spannung aufgenommen. Manchmal aber scheint es so, als würde uns das neue bedrohen. Gerade wenn es um Liebe, Beziehungen und Sexualität geht, fällt es mitunter schwer. Immer wieder müssen wir mit anderen Lebens- und Liebeseinstellungen umgehen und so wird es vielleicht auch bei dir sein. Das Coming-out ist ein schmerzlicher, oft krisenhafter Prozess, verbunden mit viel Abwehr und vielen Versuchen, dem Problem aus dem Weg zu gehen. Das Coming-out ist aber auch gleichzeitig der Weg in ein „neues Leben“.

Die eigenen Vorurteile gegenüber Homosexualität sitzen tief und werden von der Umgebung genährt. Die üblichen Vorstellungen, die vielen negativen Klischees, erschweren die Annahme der eigenen Gefühle. Die Furcht ist groß als „unweiblich“ oder „unmännlich“ zu gelten.

Während des Prozess des Coming-out entstehen nicht selten Schuldgefühle, wenn die erwartete Normalität sich nicht einstellt.

Die meisten Jugendlichen versuchen zunächst ihre homosexuellen Gefühle zu verdrängen, indem sie sich in heterosexuelle Beziehungen stürzen. Andere wiederum spielen ihren Mitmenschen etwas vor, aber auf Dauer ist das kaum auszuhalten. Dieses „nicht ausleben“ seiner eigenen Sexualität kann das Selbstwertgefühl stark einschränken.

Das Coming-out ist ein schmerzlicher, oft krisenhafter Prozess.

Coming-out und Pubertät – Zwei zeitgleiche Prozesse
Am Anfang der Pubertät fühlt sich in der Regel jeder Jugendliche zum gleichen Geschlecht hingezogen. Wird diese erste gleichgeschlechtliche Faszination im Laufe der Zeit nicht von dem Interesse am anderen Geschlecht abgelöst, so kann durchaus eine Homosexualität vorliegen.

Die Erkenntnis homosexuell zu sein verunsichert in der Regel sehr, da ein Jugendlicher davon ausgeht, heterosexuell also „normal“ zu sein.

Es entstehen häufig Schuldgefühle, wenn die erwartete „Normalität“ sich nicht einstellt. Die Gleichgeschlechtliche Lust und das Verbot, ihr nachzugeben, haben dann Gewissenskonflikte zur Folge, die ungewisse Zukunft macht Angst.

Die zwei Coming-Out – Phasen

Inneres Coming-Out

Der erste Schritt ist die bewusste eigeneErkenntnis zur Homosexualität. Diese erste Phase kann unterschiedlich lange dauern und sich bis in das Erwachsene Alter hinziehen. Wichtig ist der Grundgedanke, dass du zuerst an dich denkst und dann an andere. Das äußere Coming-Out wird dir dann viel einfacher fallen.

Äußeres Coming-Out

Seine Homosexualität zu verstecken kostet sehr viel Kraft und kann Begleiterscheinung hervorrufen. Wenn sich Jugendliche in einer Clique, in der Schulklasse oder in einem Verein wohlfühlen, kann das Coming-out um einiges erleichtert werden. Ein Coming-out kann Diskriminierung verhindern.

Coming-out – Sprich mit anderen
Viele Jugendliche haben sich bereits schon geoutet und kennen die Angst vor der Reaktion der anderen, die Erfahrungen der Jugendlichen könnte dir helfen.

Jetzt stellst du dir wahrscheinlich die Frage, wie und wo man am besten Jugendliche oder Erwachsene findet, die dir helfen können. Leider ist es so, dass man selten jemanden findet, in dem man in die Stadt geht, denn den meisten sieht man es nicht an, ob sie homosexuell sind oder nicht.

Kontakt zu anderen kann man z.B. über das Internet aufnehmen. Im Internet bieten viele Gruppen und Vereine Hilfe an. Doch Vorsicht! Nicht alle Seiten, auch wenn sie seriös erschienen, sind es auch. Erkundige dich vorher genau, ob es Sinn macht sich irgendwo anzumelden. Viele Seiten bieten dir Hilfe an. Leider ist es aber so, dass vielen Menschen die dort angemeldet sind, nur das eine mit dir wollen.

Wir von Schwul-Hilfe e.V. bieten dir garantiert seriöse und kostenlose Hilfe an. E-Mails dir wir bekommen erreichen entweder Jan oder Chris. Niemand anders erfährt von deinen Problemen oder Fragen.

Coming-out – Zeit für Gespräche
Bevor du entscheidet dich einem anderen zu öffnen, solltest du dir darüber Gedanken machen, ob du dich in der Gegenwart des anderen wohlfühlt, ob man mit dem anderen etwas verbindet und warum es wichtig ist, dass genau diese Person es wissen sollte. Homosexualität ist ein spezielles und kein einfaches Thema.

Du solltest dir natürlich genau überlegen mit wem du sprichst. Vielleicht ist es deine beste Freundin oder dein bester Freund.

Du bist verunsichert, weil dein bester Freund oder deine beste Freundin negativ über Homosexuelle spricht, und du nun Angst hast mit ihr oder ihm zu sprechen? Das ist verständlich. Wer möchte schon mit jemanden sprechen, der sich negativ gegenüber Homosexuelle äußert. Doch es ist eine Person, die dir sehr nahe steht und nur weil sie schlecht über Homosexuelle spricht, muss es nicht heißen, dass diese Person Homosexuelle verachtet. Es ist immer besser mit einer Person zu sprechen, die dir nahe steht und der du vertrauen kannst, als mit einer Person die du nur flüchtig kennst und das Vertrauen nicht so ausgeprägt ist.

Wenn du nun soweit bist, dass du mit jemanden sprechen möchtest ist es wichtig, dass ihr genügend Zeit und Ruhe für das Gespräch habt. Ihr könntet z.B. zu Hause einen Film schauen oder auch in den Park gehen.

Coming-out – Lass anderen Zeit
Man kann nicht erwarten, dass Freunde, Eltern oder Mitschüler einen sofort um den Hals fallen, wenn man sich outet. Viele Eltern machen sich Vorwürfe, dass sie bei der Erziehung etwas falsch gemacht haben. Manche machen sich Gedanken, über Reaktionen von Verwandten Nachbarn und Kollegen.

So wie man selbst Zeit gebraucht hat, um seine Homosexualität zu erkennen und anzunehmen brauchen andere Zeit, um die Wahrheit zu verstehen und zu akzeptieren.

Coming-out – Fingerspitzengefühl
Gerade im Umgang mit Lehrern oder anderen Vorgesetzten, von denen du abhängig bist, erfordert das Coming-out dein Fingerspitzengefühl.

Der Europäische Gerichtshof hat erklärt, dass die Leistungen homosexueller Arbeitnehmer (Schüler, Azubis etc.) mit heterosexuellen gleichzusetzen ist. Kein Arbeitgeber (Lehrer, Chef etc.) darf homosexuelle ausgrenzen oder schlecht behandeln.